MonerlsWelt

[Buchvorstellung] Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden – PER J. ANDERSSON

30. Oktober 2017
#155 Rezension
#Vom SuB befreit

5 von 5 Sternen

Buchbeschreibung

Diese Geschichte erzählt vom unglaublichen Schicksal des kastenlosen Pradyumma Kumar, genannt Pikay. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, kennt er nur Extreme: Mal wird der talentierte Portraitzeichner von Indira Gandhi eingeladen, sie zu malen, mal muss er hungern und schläft auf der Straße. Eines Abends taucht neben seiner Staffelei ein blondes Mädchen auf – und eine unglaubliche Liebesgeschichte nimmt ihren Anfang.

Als Lotta zurück nach Schweden geht, stehen die Chancen schlecht um die beiden – wäre da nicht ein altes Fahrrad. Damit macht sich Pikay auf den Weg, um die 7.000 km von Asien nach Europa zurückzulegen. Auch zahlreiche Rückschläge können ihn nicht aufhalten, bis er schließlich tatsächlich in Lottas Heimat ankommt, einer völlig anderen Welt…

Um das Happy End gleich zu verraten: Heute sind die beiden seit über 35 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder und leben auf einem alten Bauernhof in der Nähe von Borås in Schweden.

Meine Meinung


Dies ist ein unglaubliches Buch und eine unglaublich schöne Liebes- und Lebensgeschichte!
Vorab aber gleich eine Warnung an alle, die hier eine gängige Liebesgeschichte erwarten. Nein so ist das Buch nicht! Es ist noch viel, viel mehr…

Es war einmal eine Prophezeiung…

„Er wird sich mit einem Mädchen verheiraten, das nicht aus dem Stamm, nicht aus dem Dorf, nicht aus dem Bezirk, nicht aus der Provinz, nicht aus dem Bundesland und auch nicht aus unserem Land stammt,“ ritzt der Astrologe in ein Palmblatt. Zu Pradymna sagt er: „Du musst nicht nach ihr forschen, sie wird dich aufsuchen.“


Als Leser lernen wir Pikay kennen, der im indischen Dschungel auf die Welt gekommen ist. Er ist ein Unberührbarer. Obwohl, gesetzlich gesehen, die Kasten keine Bedeutung mehr haben dürften, war/ist es in Indien auf den Dörfern und außerhalb der großen Städte so, dass immer noch die Brahmanen in der hinduistischen Gesellschaft nichts mit den Unberührbaren (Angehörige der niedrigsten Kasten bzw. der Unterkasten) zu tun haben wollen. So erfährt Pikay über den ganzen Zeitraum seiner Jugend und Schulzeit extreme Diskriminierung von Lehrern, Mitschülern und anderen Menschen. Auch wenn seine Mutter ihn als kleinen Jungen versucht hat davon abzuschirmen, wird ihm im Laufe der Zeit klar, warum sich viele Menschen von ihm abwenden oder ihn meiden. Dieser Teil des Buches hat mich sehr berührt! Kann man sich doch im Westen nicht vorstellen, dass ein Kind, aufgrund seiner Herkunft nicht mit den anderen Schülern der Klasse im Klassenzimmer sitzen darf, sondern auf der Terrasse bleiben und versuchen muss, dem Unterricht von dort zu folgen.

Doch bei all dem Unglück hat Pikay das große Glück, dass er eine wundervolle Gabe hat, die Menschen verbinden kann und die ihm auf seiner Reise nach Schweden von großer Hilfe sein wird – er kann zeichnen. In großer Geschwindigkeit schafft er es Menschen zu porträtieren. Dadurch bekommt er die Aufmerksamkeit von Indira Gandhi, die zu dieser Zeit als Premierministerin Indiens amtierte. Durch einen glücklichen Zufall begegnete Pikay in Delhi Walentina Wladimirowna Tereschkowa, der ersten Frau im Weltraum, die bis 1982 auch die einzige Frau im Weltall war. Er zeichnete sie auf einer Parade, an der er zufällig vorbeigekommen war.

Seit der indischen Unabhängigkeit gibt es Quoten für die Besetzung von Stellen in der öffentlichen Verwaltung sowie Förderung für Studienplätze für Unberührbare. So kam es, dass Pikay ein Stipendium für sein Kunststudium erhalten hatte. Das war ein weiterer großer Baustein auf dem Weg in seine Zukunft mit Lotta. Denn, während er auf der Straße Menschen zeichnete und sich damit ein paar Rupien für den Lebensuterhalt verdiente, begegnete er eines Tages Lotta, die mit Freunden Indien besuchte und bereiste.

Eine kurze Zeit reichte, damit diese beiden Menschen sich verlieben und sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen konnten. Wären da aber nicht die vielen tausende Kilometer, die sie voneinander trennten.

Der nächste Teil beschreibt die lange und sehr anstrengende Reise, die Pikay auf sich nahm, um endlich mit Lotta wiedervereint zu sein. Den Großteil bestritt er mit dem Fahrrad. Sein Glück war ihm hold, sodass er auch einige leichtere Streckenabschnitte hatte, unter anderem mit dem Flugzeug. Viele Hindernisse galt es zu überwinden, denn wurde und wird auch heute noch ein Mensch mit indischem Pass nicht überall mit offen Armen empfangen. Er musste sich einige Male um Visa bemühen und wurde kurz vorm Ziel, von den deutschen Behörden fast wieder direkt nach Indien ausgewiesen.

Nach so großem eigenen Einsatz, dem Wille, ein bestimmtes Ziel zu erreichen und dem Glauben an eine Liebe und gemeinsame Zukunft, kann man Pikay und Lotta nur noch von Herzen alles Gute wünschen!
Dabei ist es toll, dass man von vorne herein weiß, dass die beiden es geschafft haben. Der Autor geht auch kurz auf die Widrigkeiten ein, die Pikay und Lotta überwinden mussten. Nicht jeder in ihrem Umfeld hat an ein erfolgreiches gemeinsames Leben dieser zwei optisch sehr unterschiedlichen Menschen geglaubt. Umso schöner ist es zu sehen, dass vieles möglich ist, wenn man nur will, wenn man hart an seinem Erfolg arbeitet und auch noch das richtige Quäntchen Glück besitzt.

Zum Hörbuch:
Der Sprecher Richard Barenberg konnte mich bereits in “Der Marsianer” und “Das Gleichgewicht der Welt” mit seiner Stimme und Sprechkunst begeistern. Im letztgenannten Hörbuch hatte er schon einmal Indien vor meinem geistigen Auge entstehen lassen. So fühlte ich mich auch in dieser Geschichte mit seiner Stimme sehr gut aufgehoben und es war ein bisschen wie nach Hause kommen.

Zum Taschenbuch:
Das Taschenbuch besticht durch das wunderschön gestaltete Cover. Es ist einfach ein Blickfang. Zudem kann man am Ende des Buches noch die schönen Bilder aus dem Leben von Pikay und Lotta genießen. Es tut gut, die fröhlichen und lachenden Gesichter zu betrachten und zu wissen, dass sich das alles gelohnt hat. Ein schweres und trauriges Leben wurde zu etwas Gutem.

Fazit:
Dieses Buch, diese Geschichte hat mich sehr inspiriert! Im Leben gilt es oftmals Berge zu bewegen. Manchmal muss man sich einfach nur trauen und den ersten Schritt wagen. Der Rest ergibt sich mit dem eigenen Tun. Dass es leicht wird, hat keiner gesagt. Bekanntlich gibt es nichts, was es nicht gibt und somit ist (fast) alles möglich, wie dieses Buch bestätigt. Und manchmal werden Märchen wahr… 


______________________________

Gelesen von: Richard Barenberg
Spieldauer: 9 Stunden 5 Minuten
Version: ungekürzt
Verlag: Argon Verlag
Erscheinungsdatum: 20. August 2015
Originaltitel: Nel Delhi – Boras
Übersetzer: Susanne Dahmann


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    1. Liebe Mira,ich freue mich sehr, dass dir auch meine Rezi gefällt! Mal sehen, welche Bücher wir noch so alles gemeinsam haben. Habe deine Blog ja erst kürzlich entdeckt. ;-)GlG, monerl

    1. Hahaha, das stimmt! Wobei ich jetzt im Nachhinein gar nicht wüsste, wie man das Buch anders betiteln könnte. Irgendwie ist der Titel, so wie er ist, sehr treffend. ;-)Als Hörbuch super und total angenehm. Dieses Sich-erzählen-lassen klappt hier prima. Muss auch nicht am Stück sein. Bin gespannt, ob es dir als HB doch irgendwann mal über den Weg läuft…GlG, monerl

  1. Liebes Monerl,das Buch hatte ich erst auch auf dem Schirm, dann fand ich die Geschichte zu konstruiert – nicht wissend, dass sich alels wirklich so zugetragen hat *g*Ich denke, das wird auch ein Fall für meine Ohren, danke für die tolle Vorstellung!Liebe Grüße, Heike

    1. Oh je! Dann ist es gut, dass ich dich nun wieder an die Geschichte erinnert habe! Das Buch lag jetzt schon bestimmt ein Jahr auf meinem SuB und ich wollte es schon lange gelesen haben. Dann bin ich zufällig über das Hörbuch gestolpert und musste es hören, da es so schön vorgelesen ist. Es ist absolut genau das richtige Hörbuch für dich! Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass sich viele nicht getraut haben, das Buch zu lesen, da sie eine falsche Geschichte damit assoziiert haben. Wirklich sehr schade! Bin gespannt auf deine Meinung. Den Sprecher jedenfalls mag ich sehr.GlG vom monerl

    1. Liebe Daniela,danke für dein Lob! Dieses Buch hat viel mehr Aufmerksamkeit verdient, da es so positiv ist. Ich hoffe sehr, auf einen Film. Das Leben schreibt so schöne Geschichten, es ist gut, dass wir immer wieder davon erfahren.GlG vom monerl

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