Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche_eBook_HB
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[Buchvorstellung] Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche – RENI EDDO-LODGE

18. Januar 2021

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Buchbeschreibung

Viel zu lange wurde Rassismus als reines Problem rechter Extremisten definiert. Doch die subtileren, nicht weniger gefährlichen Vorurteile finden sich dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnen würde – im Herzen der achtbaren Gesellschaft.

Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, nicht weiß zu sein? Reni Eddo-Lodge spürt den historischen Wurzeln der Vorurteile nach, und zeigt unmissverständlich, dass die Ungleichbehandlung Weißer und Nicht-Weißer unseren Systemen seit Generationen eingeschrieben ist. Ob in Politik oder Popkultur – nicht nur in der europaweiten Angst vor Immigration, sondern auch in aufwogenden Protestwellen gegen eine schwarze Hermine oder einen dunkelhäutigen Stormtrooper wird klar: Diskriminierende Tendenzen werden nicht nur von offenen Rassisten, sondern auch von vermeintlich toleranten Menschen praktiziert. Um die Ungerechtigkeiten des strukturellen Rassismus herauszustellen und zu bekämpfen, müssen darum People of Color und Weiße gleichermaßen aktiv werden – „Es gibt keine Gerechtigkeit, es gibt nur uns.“

 

Meine Meinung

Vor fast genau zwei Jahren ist dieses Buch erschienen und ich hatte begonnen es sofort nach Veröffentlichung zu lesen. Doch nach dem ersten Drittel fühlte ich mich von den historischen Fakten und dem sehr trockenen Erzählstil erschlagen, sodass ich eine lange Pause einlegen musste. Da ich dieses Thema für sehr wichtig halte, wollte ich unbedingt in Gänze wissen, was die Autorin geschrieben hatte und so versuchte ich einen zweiten Anlauf über das Hörbuch. Und siehe da, indem ich mich ausschließlich auf das Hören konzentrieren musste, fand ich den richtigen Zugang zum Buch. Dela Dabulamanzi als Sprecherin konnte mich sofort vereinnahmen und ich folgte sehr gerne ihrer angenehmen Stimme.

Reni Eddo-Lodge ist in Großbritannien geboren und aufgewachsen, in einer weißen Familie, in der Hautfarbe lange Zeit kein Thema war. Im Laufe ihres Studiums fängt sie die Geschichte der Schwarzen in Großbritannien zu erfragen und zu suchen und da wurde ihr erstmals so richtig bewusst, wie ihr Geburtsland mit Menschen ihrer Hautfarbe umgegangen war, nämlich gewalttätig, rassistisch und diskriminierend. Und so ist für mich auch verständlich, warum der Frust und die Empörung aller PoC (People of Color) so groß ist, da wir nun in 2021 sind, doch leider auch heute noch an einem Punkt sind, an dem sich der weltweite, strukturelle Rassismus noch nicht signifikant verändert hat. Obwohl sich der Großteil der historischen Fakten auf den britischen Sklavenhandel bezieht, fand ich diese Passagen sehr interessant. Es wird sehr deutlich, wie brutal die einstige britische Kolonialisierung erfolgte und wie verbrecherisch das British Empire eigentlich war.

Die Autorin erkennt über ihren Kampf im Feminismus, dass auch dieser, obwohl Frauen im Allgemeinen ein gemeinsames Ziel haben, vor Rassismus nicht gefeit sind. So wird ihr klar, dass sie als schwarze Frau eine noch größere Diskriminierung erfährt als weiße Frauen. In all ihren Gesprächen über Feminismus und Rassismus stellt sie fest, dass es kaum möglich ist mit Weißen über das nicht Weiß-sein zu sprechen, da Weiße sofort beleidigt und schockiert reagieren, als sich mit dem Gesagten auseinanderzusetzten. Ich, als Weiße, kann das bestätigen. Da ich mich nun schon eine Weile mit dem Thema beschäftige, bin ich sensibilisierter und versuche meinen ersten Impuls zu untersuchen, woher er kommt. Doch Weiße, die sich mit diesem Thema überfallen fühlen gehen sofort in eine Abwehrreaktion. Doch natürlich sind auch alle PoC keine homogene Gruppe. Sie entstammen unterschiedlichen Kulturkreisen, Bildungsschichten, Religionen, Erfahrungen usw. und so findet man auch Rassismus unter Menschen, die als nicht Weiß definiert werden.

Meiner Meinung nach offenbarte Reni Eddo-Lodge sehr gut anhand von Beispielen und Zahlen, wie PoC strukturell im Bildungs-, Gesundheitswesen und der Arbeitswelt aufgrund von Rassismus diskriminiert werden. Und ich stelle bereits an mir fest, dass je mehr solcher Bücher ich lese und ich mich mit dem Thema auseinandersetzte, desto mehr fällt mir das Problem im Großen wie auch in Kleinen auf und ich fange direkt an, das mir Mögliche zu tun, sei es nur, die Menschen um mich herum darauf aufmerksam zu machen, dass man nie das N-Wort sagen darf, dass man nicht das Wort Farbige für Schwarze und PoC verwendet, dass das engl. Wort „coloured“ nicht wortwörtlich ins Deutsche übersetzt werden darf und warum usw. Insbesondere ist es auch wichtig, dass wir unseren Kinder das so früh wie möglich erklären, denn sie sind die Erwachsenen von morgen, die in großen Schritten die Zukunft verändern können, sei es Rassismus, Diskriminierung oder Umweltschutz. Wir alle sind Menschen, das sollte über allem an erster Stelle stehen!

 

Fazit

Ein interessantes und wichtiges Buch, das ich zum Thema Rassismus auf jeden Fall zu lesen empfehle. Sehr wertvoll auch im Hinblick auf die historische Entwicklung der Sklaverei in Großbritannien. Wer sich mit einem trockenen und sehr faktenreichen Schreibstil schwertut, dem empfehle ich zum Hörbuch zu greifen.

 

Weitere Rezensionen

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Ich danke netgalley sowie dem Tropen Verlag, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Hey Monerl =)

    erstmal vielen lieben Dank für die Verlinkung. Mir ging es genauso wie dir, der trockene Erzählstil konnte mich leider nicht so recht abholen, auch wenn die Thematik und die Fakten eigentlich sehr interessant und wichtig sind. Da finde ich zum Beispiel „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters deutlich ansprechender geschrieben.‘

    Liebe Grüße,
    Nico

    1. Lieber Nico,
      da sind wir uns voll und ganz einig! „Exit Racism“ als auch das von dir erwähnte „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ sind um einiges lebendiger geschrieben. Beide Bücher lege ich jedem*r ans Herz. Ich habe sehr viel daraus gelernt.
      GlG, monerl

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