Welch schöne Tiere wir sind
Rezensionen | Roman / Gegenwartsliteratur / Liebe / Romantik / Chick-Lit

[Buchvorstellung] Welch schöne Tiere wir sind – LAWRENCE OSBORNE

17. Juni 2019

#289 Rezension

 

Buchbeschreibung

»Welch schöne Tiere wir sind« ist eine brillante Studie über Schuld und Gier. Fesselnd, dicht und abgründig – ein literarisches Meisterwerk.

Die Luft scheint stillzustehen an diesem heißen Sommertag auf der griechischen Insel Hydra. Dort verbringt Naomi die Ferien in der Residenz ihres Vaters, einem englischen Kunstsammler. Gemeinsam mit der jüngeren Sam entdeckt sie bei einem Küstenspaziergang etwas Ungeheuerliches: Ein bärtiger, ungepflegter Mann liegt auf den Steinen, ein Geflüchteter aus Syrien, Faoud. Für Naomi die perfekte Gelegenheit, es ihrem Vater heimzuzahlen – für seinen obszönen Reichtum, seine hohlen Allüren, seine unerträgliche neue Frau. Doch als sie Faoud dazu anstiftet, bei ihrem Vater einzubrechen, hat das fatale Folgen.

 

Meine Meinung

W.A.S F.Ü.R E.I.N B.U.C.H!

Es ist nicht einfach in Worte zu fassen, denn es ist ein echtes Lesehighlight! Ein Buch, das ich gefressen habe und ich nicht aufhören konnte zu lesen, denn die letzten 200 Seiten habe ich in einem Zug durchgelesen. 

Die ersten 60 Seiten plätschern ein bisschen dahin und man muss sich an den Schreibstil des Autors gewöhnen. Man lernt Naomi und Sam kennen. Zwei sehr junge Frauen, die ihren Sommer auf der Insel Hydra in Griechenland verbringen. Naomi ist Engländerin und kennt die Insel in- und auswendig, da sie seit ihrer Kindheit die Sommer dort verbringt. Sam ist ein paar Jahre jünger, Amerikanerin und verbringt ihren Sommer mit ihrer Familie auf der Insel. Sie ist noch recht unschuldig und naiv, was das Leben angeht, da ihr privilegiertes und behütetes Leben noch nicht viel von ihr eingefordert hat. Naomi ist anders, auch reich und privilegiert, doch charakterlich ganz anders als Sam. Naomi vermag sich auf ihrem Status nicht so richtig auszuruhen. Sie hat eine gewisse Unruhe, ist fast immer im Konflikt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter und ist irgendwie immer auf der Suche nach einem Abenteuer oder etwas, das sie reizt und aus ihrem Alltag ausbrechen lässt. Der letzte “Nervenkitzel” führte zur Entlassung aus der Anwaltskanzlei. Als sie mit Sam auf einem Badeausflug den syrischen Flüchtling Faoud entdecken will sie ihm helfen und hat gleich etwas Unmoralisches im Sinn… Naomis Plan scheint absolut ausgeklügelt und doch kommt es anders, als sie, Sam, Faoud und die Hauhälterin Carissa denken und erwarten.

Nun, natürlich konnte es nicht gut gehen, aber wie der Autor so nach und nach die Geschichte entwickelt, ließ mich am Ende sprachlos zurück. Er zeigt die Verflechtungen und die Auswirkungen einer Entscheidung, die ausschließlich Naomi selbständig gefällt hatte. Doch diese Entscheidung zieht weite Kreise und beeinträchtigt das Leben vieler Menschen. Insbesondere auch von denen, die passiv daran teilnahmen, wie z.B. Sam. Obwohl sie am wenigsten mit dem Ganzen zu tun hatte, sind die Auswirkungen auf sie, ihre Psyche, ihr Leben am stärksten. Man gerät während des Lesens in den Strudel der Geschnisse und in den Sog der Geschichte. Abgründe tun sich auf, Verschiebungen von Macht werden deutlich, Fluchtwege werden verfolgt, Lügen entstehen und die Verteidigung hängt auf einem seidenen Faden.

Lawrenze Osborne hat mit ganz einfachen Mitteln und wenigen Figuren eine Art Thriller geschrieben, den ich gar nicht richtig benennen kann. Ich folgte der Geschichte, fühlte mich getrieben, obwohl sich alles recht gemächlich entwickelte. Ich musste mich einige Male zwingen nicht zur letzten Seite zu springen, um zu sehen, wie das Buch endet. Die Spannung war kaum auszuhalten.


Fazit

Dieses Buch tanz aus der Reihe und ist ein reiner (Lese)Genuss! Wer sich traut, über seinen Tellerrand zu schauen, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Es ist ein Gegenwartsroman, ein Thriller, eine Art Krimi und eine Charakterstudie in einem. Lawrence Osborne nimmt den*die Leser*in nach Griechenland in die Zeit mit, als Flüchtlinge anfingen die Inseln zu überfluten und schafft es dennoch ein Buch zu schreiben, das nichts mit Politik am Hut hat. Es ist sehr atmosphärisch, schlicht aber auch düster und die Hoffnung während des Lesens überlagert stets das eigentlich offensichtliche Ende. Absolut lesenswert!


Weitere Rezensionen

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Ich danke dem Piper Verlag, der mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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  1. Liebe Monerl,

    mit Deiner Rezension hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Menschliche Abgründe, ein Genremix und ein mutiges Abweichen vom Mainstream und genau das hat Dir offensichtlich genauso gut gefallen wie mir. Ich bin froh, dieses Buch entdeckt zu haben!
    LG Gabi

    1. Liebe Gabi,
      danke für deine lieben Worte! Das Buch ist wirklich ein Highlight für mich. Davon hatte ich dieses Jahr nicht so viele. Eine Geschichte, die nicht so leicht zuzuordnen ist, deshalb umso überraschender daherkam.
      GlG, monerl

  2. Hallo Monerl,
    ich muss ja sagen, du hattest mich schon mit der Inhaltsangabe. Bei dem Buch handelt es sich um ein Genre, was ich eigentlich nicht lese. Auch das Cover hätte mich auf den ersten Blick nicht angesprochen. Aber das, was du über die Geschichte schreibst, klingt richtigrichtig gut. Ich freue mich,dass du so schöne und spannende Lesestunden hattest. Vielen Dank für diese interessante Buchvorstellung <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

    1. Hallo Tanja,
      das ist super! Auch mich hatte der Klappentext sofort gefangen! Da Cover ist Geschmackssache und ich weiß auch nicht, ob es nun zum Buch passt oder nicht. Wahrscheinlich soll sie Naomi, die Protagonistin, darstellen. 😀
      Das ist ja ein Gegenwartsroman mit Thrillereffekt, psychologisch und moralisch beleuchtend. Ich kann ihn dir nur empfehlen, wenn du mal Lust auf was ganz anderes hast.
      GlG, monerl

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