Zum Paradies
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[Buchvorstellung] Zum Paradies – HANYA YANAGIHARA

28. Januar 2022

#427 Rezension

 

Buchvorstellung

Drei Jahrhunderte, drei Versionen des amerikanischen Experiments: In ihrem kühnen neuen Roman – dem ersten seit Ein wenig Leben – erzählt Hanya Yanagihara von Liebenden, von Familie, vom Verlust und den trügerischen Versprechen gesellschaftlicher Utopien.

1893, in einem Amerika, das anders ist, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen: New York gehört zu den Free States, in denen die Menschen so leben und so lieben, wie sie es möchten – so jedenfalls scheint es. Ein junger Mann, Spross einer der angesehensten und wohlhabendsten Familien, entzieht sich der Verlobung mit einem standesgemäßen Verehrer und folgt einem charmanten, mittellosen Musiklehrer.

1993, in einem Manhattan im Bann der AIDS-Epidemie: Ein junger Hawaiianer teilt sein Leben mit einem deutlich älteren, reichen Mann, doch er verschweigt ihm die Erschütterungen seiner Kindheit und das Schicksal seines Vaters.

2093, in einer von Seuchen zerrissenen, autoritär kontrollierten Welt: Die durch eine Medikation versehrte Enkelin eines mächtigen Wissenschaftlers versucht ohne ihn ihr Leben zu bewältigen – und herauszufinden, wohin ihr Ehemann regelmäßig an einem Abend in jeder Woche verschwindet. Drei Teile, die sich zu einer aufwühlenden, einzigartigen Symphonie verbinden, deren Themen und Motive wiederkehren, nachhallen, einander vertiefen und verdeutlichen: Ein Town House am Washington Square. Krankheiten, Therapien und deren Kosten. Reichtum und Elend. Schwache und starke Menschen. Die gefährliche Selbstgerechtigkeit von Mächtigen und von Revolutionären. Die Sehnsucht nach dem irdischen Paradies – und die Erkenntnis, dass es nicht existiert. Und all das, was uns zu Menschen macht: Angst. Liebe. Scham. Bedürfnis. Einsamkeit. 

 

Meine Meinung:

„Zum Paradies“ ist ein Roman, bestehend aus drei Teilen/Büchern, die jedoch m.M.n. nicht viel gemein haben, außer die Suche nach der Freiheit, nach Liebe und Anerkennung, dem Paradies auf Erden. Alle Protagonisten in allen drei Teilen haben mehr oder weniger die gleichen Namen, was ab Teil zwei zu Verwirrung führt und ab Teil drei schließlich zur Erkenntnis, dass sie allesamt nichts miteinander zu tun haben. Es gibt, auf die Handlung bezogen, keinen roten Faden.

Die einen stört das nicht, die anderen fragen sich spätestens nach Beginn des dritten Buchs, warum sie sich bis dahin durch das Buch gequält haben. Hatte die erste Geschichte, die in einem alternativen New York von 1893 noch große Erwartungen geweckt, verpufften diese für mich in der nachfolgenden Geschichte. Sie langweilte mich richtiggehend, sodass ich fast abgebrochen hatte.

Der letzte Teil ist im Vergleich zu den anderen beiden sehr spannend, ausführlicher geschrieben und mit einer guten Handlung. Die Geschichte aus zwei Blickwinkeln zu erzählen weitet die Sicht der Leserschaft und vergrößert die Spannung aufs Zusammenführen der Handlungsstränge und das Ende.

Wobei ich beim Thema „Ende“ auch wieder eine meiner Enttäuschungen vorbringen muss. Ich kann mit offenen Enden sehr gut leben, wenn damit die Geschichte abgerundet wird. Doch hier haben mich die Enden der einzelnen Teile, insbesondere des ersten und dritten, sehr gefrustet! Nach zwei Enttäuschungen darüber, dass dies alles Einzelgeschichten sind, unabhängig, langweilig und ohne besondere Handlung hatte ich große Hoffnung, dieser letzte Teil würde das alles wieder wett machen. Doch das offene Ende auch hier hat mich dermaßen gefrustet, sodass ich im Nachhinein wünschte, ich hätte das Buch nach dem ersten Drittel der Hörzeit abgebrochen.

Was mir sehr gut gefallen hat am Buch ist der aktuelle Themenbezug und die Darstellung der Normalität von Homosexualität in den jeweiligen Gesellschaften. Mensch ist Mensch und seine sexuelle Orientierung sollte keine Rolle für die Beurteilung eines Menschen spielen.

Es wäre sehr schön, wenn wir im 21. Jahrhundert dies bereits überwunden und akzeptiert hätten. Aus diesem Blickwinkel ist das Buch lesenswert. Doch insgesamt betrachtet war das für mich jedoch viel zu wenig. Ich wünschte, die Autorin hätte sich auf einen Teil, bevorzugt den letzten oder den ersten, konzentriert und daraus ein in sich stimmiges und abgerundetes Buch geschrieben.

Das Hörbuch ist sehr gut gelesen und wer das Buch hören will, empfehlenswert.

 

Fazit:

Ein Buch, dessen Marketing so großartig war und der Name der Autorin es als „must read“ ausgewiesen hat, das sich leider als große Enttäuschung und als der erste Flop des neuen Jahres entpuppt hat. Der Hype ist aus meiner Sicht keineswegs gerechtfertigt, auch wenn die Autorin schreiben kann und mir mit dem letzten Buch ihres Romans große Lust auf einen eigenständigen Roman mit der Geschichte des letzten Teils gemacht hat. Mit dem System, dem Plot „Zum Paradies“ hat sich m.M.n. Hanya Yanagihara übernommen. Vielleicht wollte sie etwas Neues, strukturell Außergewöhnliches schaffen, das sich für mich leider als „zu viel gewollt“ darstellt. Schade! Ich warte gespannt auf ihr nächstes Buch!

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– wird nachgetragen –


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