Mental Load
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Zum Thema MENTAL LOAD – Patricia Cammarata, Laura Fröhlich

22. Juli 2020

#377 + 378 Rezension
#WirLesenFrauen

 

MENTAL LOAD – Es gibt einen Begriff für das, was ich empfinde. Und das alleine macht mich schon ein kleines bisschen glücklicher! Es benennt die Last, die ich, wie auch viele Frauen und Mütter, im Kopf haben und die, trotz der täglich viel erledigten Aufgaben, nie kleiner wird!

Zum ersten Mal hörte ich davon in 2019. Auf Twitter ist mir dieser Begriff einige Male über den Weg gelaufen und ich fing an mich durch den Hashtag zu lesen. Und was ich da las, kannte ich zu 100%. So wie mir ging es also einer großen Masse von Frauen und Müttern.

(Sehr anschauliches Beispiel: Die Familie – mit Baby und Kleinkind – beschließen schwimmen zu gehen. Der Vater packt den Geldbeutel ein und wartet am Auto und beschwert sich vor der Fahrt noch, dass es zu lange gedauert hat. Die Mutter macht sich fertig, die Kinder fertig, packt die Baby- und Wickeltasche, packt Wechselkleidung ein, nimmt Getränke und Snacks wie auch Obst mit. Sucht die Schwimmflügel für die Kinder, Handtücher und Decke. Und das sind nur die großen Aufgaben, Dazwischen gibt es noch eine Menge kleinster Teilaufgaben, die erledigt werden müssen, damit die großen Aufgaben sichtbar werden.)

Nun konnte ich endlich greifen und begreifen, was mich so fertig macht, denn ich bin verantwortlich für all die offensichtlichen und unsichtbaren Aufgaben, die das Haushalts- und Familienleben ausmacht. Und ich weiß genau, wann diese Überlast anfing: mit der Geburt des zweiten Kindes. Ab da war ich nicht mehr glücklich, ab da war ich nur noch müde, angestrengt, gestresst, überlastet und für alles verantwortlich.

Diese beiden Bücher zeigen ganz genau die Problematik des Mental Load auf.  Mental Load wird definiert und durch viele persönliche Beispiele verdeutlicht und nachvollziehbar gemacht.

Patricia Cammarata und Laura Flöhlich berichten aus ihren Partnerschaften, den gescheiterten wie auch neuen. Sie geben Tipps, wie man dem eigenen Mental Load bekämpfen kann, wie man Ziele definert und welche verschiedenen “Werkzeuge” man dafür einsetzten kann.

Fest steht, dass der erste Schritt schon getan ist, indem man sich den Mental Load eingesteht. Dann gehört der*die Partnerin mit ins Boot genommen. Am besten Lesen die Partner*innen auch das eine oder beide Bücher, damit sie auf den gleichen Level sind und das gleiche Hintergrundwissen haben. Danach kann man anfangen zusammen die Aufgabenteilung zu besprechen und im Alltag anzuwenden. Dass dies nicht von heute auf morgen geht, sollte klar sein, aber der Wille muss da sein. Hört man von seinem*r Partner*in, das alles wäre nicht nötig, es wäre so alles gut wie es ist, dann muss man sich in der Tat ernsthafte Gedanken über die eigene Beziehung machen!

Diese beiden nachfolgenden Bücher sind absolut lesens- und hörenswert, echte Offenbarungen und Highlights in 2020!

 

#377 Rezension
#WirLesenFrauen

Raus aus der Mental Load Falle

Buchbeschreibung

Kinder, Küche, Krisenmanagement. Ob sie wollen oder nicht: Immer noch erledigen Mütter einen Großteil der Familienarbeit, haben jedes noch so kleine To-do von Kindern und Partner im Kopf. Mental Load ist das Wort für die Last im Kopf, die Frauen grenzenlos stresst. Patricia Cammarata, Psychologin und bekannte Elternbloggerin, beschreibt konkrete Auswege aus der Mental Load-Falle. Zuständigkeiten gerecht verteilen, Aufgaben loslassen, Freiräume schaffen und vor allem als Paar die Energie darauf verwenden, füreinander da zu sein – das löst langfristig den Knoten. Natürlich gibt es nicht den einen Weg aus der Dauerbelastung. Dieses Buch zeigt viele Wege, um die Arbeits- und Verantwortungslast so aufzuteilen, dass es für die eigene Familie passt. Aber fest steht: Der freie Kopf macht es möglich, endlich durchzuatmen. Geteilter Mental Load eröffnet neue Perspektiven! Ein Buch für Mütter und Väter, die endlich gleichberechtigt leben wollen.

 

Meine Meinung

Reduzierung von Arbeitsbelastung – Reduktion von Verantwortung

“Der Vollzeit arbeitende Mann würde gar nicht einsehen, dass er sich an Haushalt und Kinder beteiligen solle, immerhin arbeite er schließlich den ganzen Tag, die Frau müsse ja nicht arbeiten, da könne sie sich doch um Haushalt und Kinder kümmern. Genau deswegen wäre sie ja zu Hause.” (Buch S. 34f)


Dieses Zitat zeigt vollumfänglich das Problem. Das Kümmern um Haushalt und Kind(er) wird als minderwertig angesehen. Viele Väter erkennen den Wert der Care-Arbeit nicht an.
Patricia Cammarata zeigt in ihrem Buch anhand einer wundervollen Zeitrechnung auf, wie viel Mütter eigentlich den ganzen Tag für die Familie arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden!

Die Autorin gibt eine “Mental-Load-Map” an die Hand, wie man (solchen Männern) all die versteckten Aufgaben nach vorne bringen kann, damit visuell deutlich wird, dass z. B. die Aufgabe “Wäsche Waschen” aus mind. 6 Teilschritten besteht.

Frauen sollen auch lernen, sich vom Perfektionismus zu verabschieden. Das nimmt einiges an Druck raus. Frauen sollen sich nicht mit anderen Frauen und den Social Media Wohn- und Kinderzimmern beeinflussen lassen.

Väter sollen nicht helfen, sondern ihren Teil selbständig erledigen und sich auch aktiv in die Kindererziehung einbringen. Das schafft Bindung und bringt den Vorteil, dass sie über das Leben der (eigenen) Kinder Bescheid wissen und ein Teil davon sind.

Ganz spannend fand ich auch die verschiedenen Szenarien zur Elternzeit und dass es insgesamt gar nicht so viel ausmacht, wenn, der i.d.R. mehr verdienende Vater, mehr als nur 2 Alibimonate Erziehungszeit nimmt.

“Wer Mental Load teilt, hat eine*n glückliche*n Partner*in – und ist selber glücklich” (Buch S. 171)

Wenn man es schafft, die unendlichen To-do-Listen, die einem tagtäglich im Kopf umherschwirren, zu stoppen, gibt es wieder Platz für andere, angenehme Sachen wie z.B, Ruhezeiten und Entspannung, Paarzeit, Zeit für Gespräche.

Alles in allem ist dies somit ein wunderbares Buch, das den Kopf und Partnerschaften wie auch Familien heilen kann; wenn man sich darauf einlässt! Ich zumindest bin schon mitten drin, meinen Alltag umzukrempeln!

#378 Rezension

Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles

Buchbeschreibung

»Dieses Buch ist ein Weckruf. Aufrüttelnd, wie ein ›Mamaaaa‹ nachts um drei. Klug, wahr und dringend notwendig. Jede Frau sollte es lesen. Und danach an zwei Männer weitergeben. Mindestens!« (Marlene Hellene)

Corona offenbarte, wie es um die Gleichberechtigung steht: Die Krise schickte manche Frauen zurück in die 50er Jahre und zeigte, dass es meist die Mütter sind, die sich in der Familien-Organisation aufreiben. Während so manche Mama die Kinder beschulte, bekochte und über Medienzeiten diskutierte, blieben ihr Erwerbsjob und sie selber auf der Strecke. So legte der Lockdown offen, was schon länger schief läuft. Unsere stereotypen Geschlechterrollen führen dazu, dass sich Frauen zwischen Care-Arbeit und Erwerbstätigkeit aufreiben, während es Männern oft besser gelingt, sich abzugrenzen und die Homeoffice-Tür hinter sich zu schließen. Haushalts-Kleinklein sowie die Denk- und Organisationsarbeit bleiben dann schnell an den Müttern hängen, was zu einer besonders hohen mentalen Belastung führt.

Es ist nicht leicht für Frauen, sich aus dieser Rolle zu befreien. Aber es muss sich etwas ändern! Laura Fröhlich weiß, was Mütter auf die Palme bringt – und was der eigene Perfektionismus damit zu tun hat. In ihrem wegweisenden Ratgeber schildert sie emotional und nahbar, wie der Mental Load entsteht und warum es sich lohnt, gemeinsam mit dem Partner nach fairen Lösungen zu suchen. Mit klugen Analysen, smarten Strategien und schnell umsetzbaren Tipps bringt sie Partnerschaften wieder auf Augenhöhe!

 

Meine Meinung

Das Buch von Laura Fröhlich hat zu Beginn einen recht ähnlichen Ansatz wie das von Patricia Cammarata. Wie soll es auch anders sein, geht es doch um das gleiche Thema Mental Load?!

Auch sie berichtet über ihre persönliche Erfahrung und die mentale Last, die sie bis  zum Zusammenbruch gebracht hat.

Liest man weiter, erkennt man die Unterschiede zu den beiden Büchern und den persönlichen Gewinn, wenn man beide gelesen hat.

Laura Fröhlich geht intensiver darauf ein, wie sich historisch die Aufgaben und Anforderungen an Frauen entwickelt haben und warum wir heute an dem Punkt sind, dass Frauen diese immense Last mit sich tragen.

Des Weiteren schreibt sie darüber, dass von Frauen Gefühlsarbeit erwartet wird, sie sozialisiert wurden und dem Muttermythos entsprechen sollen.

Spannend fand ich die Ausführungen über den neuen Anspruch an Mütter, der sich durchs Internet und die Sozialen Netzwerken noch verstärkt. Mütter müssen neben Haushalt und Erziehung am besten noch basteln können, die Wohnung/das Haus den Jahreszeiten entsprechend dekorieren und bestenfalls auch noch Themengeburtstage feiern, mit perfekten, selbstgemachen Kuchen.

Die Autorin schreibt auch ausführlich über Männer und Väter und dem Märchen vom unfähigen Mann. Männer scheinen oft eher nur zu Besuch in ihrem eigenen Leben zu sein, erzählt Nils Pickert im Interview mit Laura Fröhlich. Diesen Eindruck habe ich auch, wenn ich mich bei mir und in meinem Umfeld umsehe.

Laura Fröhlich versucht zu unterstützen, Auswege aus diesen vertrackten Situationen zu bieten, über die Identifikation von falschen Erwartungen, Denkmuster durchbrechen, Bedürfnisse erkennen und wie man zielführend mit seinem*r Partner*in kommunizieren kann.

Sie stellt die Shopfloor-Methode (Kanban) vor. Zu dieser analogen Möglichkeit gibt es auch einige Apps und Kalender, die beide Partner*innen über Einkaufszettel und To-do-Listen immer auf dem Laufenden halten können.

Zu alledem sagt die Autorin, dass neue Jobkonzepte entstehen müssen, dass es auch politische Änderungen geben muss, um Mütter und Väter einen besseren Rahmen zur Mental Load – Teilung bieten zu können. Ebenso ist eine größere Unterstützung für Alleinerziehende notwendig. Und nicht zu vergessen, Care-Arbeit muss aufgewertet werden!

Dem Hörbuchdownload auf Audible ist auch ein PDF mit all den Listen und Zeichnungen beigefügt, die man im Buch vorfindet. Ganz toll!

 

Mit diesem Buch mache ich mit bei der Linkparty Juli von Andreas Lesezimmer.

 

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  1. Danke für die Vorstellung der beiden Bücher! Ich werde sie mir auf jeden Fall merken. Das Thema ist so wichtig und ich glaube, gerade diese “Kleinigkeiten” im Alltag zu ändern, kann gesamtgesellschaftlich vieles verbessern.
    Dass viele Familien/Partnerschaften davon profitieren könnten, wenn die Kommunikation über die belastenden Aufgaben besser wird und diese mehr Aufmerksamkeit bekommen, bin ich auch voll davon überzeugt.

    Liebe Grüße!

    1. Liebe Anja,
      diese Bücher sind für jede Partnerschaft absolut empfehlenswert. Nicht nur Familien mit Kindern leiden oder scheitern am Mental Load, aber mit Kindern kommen eben noch mehr Menschen und Aufgaben sowie Probleme dazu, die aufgeteilt werden müssen. Es ist nicht leicht, das alles umzustellen, es kostet Zeit und Nerv, für alles Seiten. Aber es ist absolut machbar! Ich wünschte, ich / wir könnten auch das erreichen, was Laura und Patricia geschafft haben. Dieser Mental Load (er)drückt mich auch sehr.
      GlG, monerl

  2. Dass es ein PDF mit der Hörbuchversion gibt, finde ich großartig! Das ist eine schöne Lösung, um auch dem Hörbuch-Nutzer all die relevanten Elemente zukommen zu lassen, die sonst wegfallen würden. 🙂

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass “Mental Load” wirklich ein wichtiges Thema ist. Ich lese den Blog von Patricia Cammerata seit vielen Jahren und finde es spannend, wie man dort im Laufe der Zeit verfolgen kann, wie sie die verschiedenen Themengebiete durchdenkt und welche Auswirkungen das auch auf ihr Leben hat.

    1. Das finde ich auch! Bei Audible gibt´s das ganz oft. Ich weiß nicht, ob es bei einer CD-Version ein Booklet mit den Informationen gibt. Sinnvoll wäre es aber auch.
      Ich kannte die Autorin bis zum Buch überhaupt nicht. Auf ihrem Blog wollte ich mich auch mal umschauen. In dem Buch ist sie sehr offen mit ihrem Leben und erlebten und das macht das Buch auch so authentisch. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund und hat keine falsche Scham zu sagen, war Sache war. Ich kann das Buch jedem*r Betroffenen empfehlen. Mental Load ist heute eines der größten Probleme in Familien, so mein Eindruck. Zudem wäre es lösbar, wenn das Buch in Mehrheit nicht nur Frauen sondern auch Männer lesen würden. Kann es unbedingt weiter empfehlen!
      GlG, monerl

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