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[Buchvorstellung] Zwei alte Frauen – VELMA WALLIS

16. Juli 2018

#237 Rezension


Buchvorstellung

Ein Nomadenstamm im hohen Norden von Alaska: Während eines bitterkalten Winters kommt es zu einer gefährlichen Hungersnot. Wie das alte Stammesgesetz es vorschreibt, beschließt der Häuptling, die ältesten beiden Frauen als »unnütze Esser« zurückzulassen, um den Stamm zu retten. Doch in der Einsamkeit der eisigen Wildnis geschieht das Unglaubliche: Die beiden alten Indianerfrauen geben nicht auf, sondern besinnen sich auf ihre ureigenen Fähigkeiten, die sie längst vergessen geglaubt hatten …


Meine Meinung

Die Autorin hat mit “Zwei alte Frauen” eine wunderschöne und einfache Geschichte geschrieben, die zeitlos bleiben wird. Die Legende, die seit vielen, vielen Jahren im Indianerstamm erzählt und ausschließliche mündlich überliefert wurde, fand vor 25 Jahren den Weg aufs Papier. Velma Wallis, selbst angehörige des Volkes der Athabasken, wurde nach den traditionellen Werten ihres Volkes erzogen.

Eine Legende von Verrat und Tapferkeit lautet der Untertitel und trifft den Kern des kleinen Büchleins. Die beiden Frauen, die in jungen bzw. jüngeren Jahren den Stamm unterstützt hatten, nahmen im Alter für sich in Anspruch, dass nun ihnen geholfen werden musste. Sie liefen am Stock und trugen ihre Sachen nicht mehr selbständig auf den Wanderungen. Groß unterstützen konnten sie auch nicht. Sie waren somit in dem Jahr einer großen Hungersnot eine Belastung für den Stamm geworden. Die schon geschwächten jüngeren Stammesangehörigen sollten von dieser Last befreit werden, die beiden alten Frauen ernähren, stützen und für sie arbeiten zu müssen. Der Häuptling und sein Rat entschieden, sie nicht ins Winterlager mitzunehmen.  Was das bedeutete, war allen klar: Die beiden Frauen würden ohne Hilfe sterben.

Doch allen zum Trotz entwickelten sie in dieser hilflosen Zeit einen starken Überlebenswillen und mobilisierten all ihre Kräfte und Wissen, wie man in der Wildnis überleben kann. Eine Starthilfe bekamen sie heimlich von der Tochter und dem Enkel der älteren Frau.

Ab hier nun wird der Leser Zeuge davon, das man alles schaffen kann, wenn man sich selbst nicht aufgibt und auf den Nächsten vertraut. Straff und ohne viele Worte erzählt Velma Wallis diese Legende, die dennoch so viel Wärme, Zuversicht, Hoffnung und Versöhnen beinhaltet, dass einem beim Lesen das Herz aufgeht.

Es steckt so viel in dieser Geschichte, sodass man am Ende nach dem Lesen viel Kraft und Selbstvertrauen fühlt. Auf unsere heutige Zeit übertragen sollten wir nie vergessen, dass auch alte Menschen einmal jung waren und ihren Teil zum Wohle der Gesellschaft beigetragen hatten. Durch ihr Wissen, ihre Kraft, ihr Handeln haben alle profitiert. Irgendwann darf auch die Zeit kommen, indem die neuen Jungen den Alten helfen und sie unterstützen sollten. Der Aspekt, dass alte bzw. ältere Menschen sich nicht alt fühlen müssen und in der Lage sein können, noch einiges zu leisten, falls sie denn gesund sind, fand ich auch sehr schön rübergebracht. Die beiden alten Frauen, Mitte siebzig und Anfang achtzig, waren in der Lage vergessene Stärken und Fähigkeiten zu mobilisieren, die ihnen dazu verhalfen nicht nur zu überleben, sondern für ihre Verhälnisse in Wohlstand zu leben und keine Angst mehr vor dem Verhungern zu haben.


Fazit

Ein Buch, das genau wegen seiner ganzen Einfachheit besticht! Es bedarf nicht vieler Worte zu verstehen was passieren wird, wenn Hunger, Kälte, Angst und Hilflosigkeit auf hohes Alter trifft. Es war ein schweres, karges Leben, das die Nomadenstämme bezwingen mussten. Mit diesem Buch bekommen wir schöne und traurige Einblicke in solch ein Leben. Trotz der Andersartigkeit der Lebensform, ist die Moral dieser Legende auf alle Gesellschaften übertragbar. Und genau das macht das Büchlein sehr kostbar. Absolute Leseempfehlung!


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–     HS auf Amazon (sehr amüsante 1-Stern-Bewertung!)


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    1. Liebe Daniela,

      da bleibt nur eines: Nochmal lesen. 😀 😉

      Schönes Wochenende!
      (Habe gerade ein Buch in der Bücherei bestellt, was Montag raus kommt. Ich kann es morgen abholen. Yeah!)

      1. Jep, das wollte ich auch schreiben! Petrissa ist mir zuvor gekommen! haha DIESES Buch könnte ich dir ausleihen. Es ist zeimlich dünn, und wenn ich es schaffe, es an einem Abend auszulesen, dann du erst recht. Gib mir Bescheid, ob du es lesen möchtest, ich bringe es dann zur Post. 😛
        GlG, monerl

  1. Liebe Monerl,

    nun komme ich endlich dazu, Deine wirklich wundervolle Rezension zu kommentieren! Auch wenn ich ja finde, dass Du im letzten Satz, unter “Meine Meinung” spoilerst. Das Ende war doch eine große Überraschung, findest Du nicht?

    Ich liebe das Buch ja seit 20 Jahren und es ist wohl das Buch, dass ich am meisten verschenkt habe. ♥

    Die Negativ-Rezension ist zum Schießen! *rofl Leute gibts, die gibts gar nicht!

    Ich habe Dich übrigens zu einem witzigen TAG nominiert. Mir hat er großen Spaß gemacht und vielleicht hast Du ja Lust, mitzumachen. Es geht darum. Dein Leben in Buchtiteln zu beschreiben. http://morgenwald.eu/mein-leben-in-buchtiteln/

    Sei lieb gedrückt – mit der Hand auf dem Herzen
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      ich freue mich, dass dir meine Rezi gefällt! Ich werde es sicherlich ab jetzt auch hin und wieder verschenken. Ein so tolles Buch! Ich hadere nun damit, ob mein letzter Satz zu viel sagt. Ich versuche ihn mal abzudunkeln, dass nur die, die ihn lesen möchten, auch lesen können. Danke für den Hinweis. 🙂

      Die 1-Stern-Rezi musste ich verlinken, das es richtig Spaß macht, sie zu lesen. hihi

      Danke fürs Nominieren. Ich geh mal schauen. Habe einige TAGs gespeichert. Gerade letzte Woche hatte ich gedacht, wär mal wieder Zeit für nen TAG. hahah

      Grüßle und Drückerle zurück,
      monerl

  2. Hallo Monerl, ich freue mich sehr, dass dieses Buch auch bei Dir Begeisterung auslösen konnte.
    Sehr schön fand ich Deine Bemerkung:” Auf unsere heutige Zeit übertragen sollten wir nie vergessen, dass auch alte Menschen einmal jung waren und ihren Teil zum Wohle der Gesellschaft beigetragen hatten. Durch ihr Wissen, ihre Kraft, ihr Handeln haben alle profitiert. Irgendwann darf auch die Zeit kommen, indem die neuen Jungen den Alten helfen und sie unterstützen sollten.”
    Eine tolle Rezension von Dir, die Deinen Leseeindruck wunderbar reflektiert.
    Ich bin übrigens wieder da und konnte nicht eine Zeile Lesen haha, wird nun nachgeholt….
    GLG Angela

    1. Liebe Angela,
      willkommen zurück! Ist eigentlich auch toll, wenn man im Urlaub so gar keine Zeit fürs Lesen hatte, finde ich! ^_^ Ich freue mich sehr, dass dir meine Rezension so sehr gefällt. Es ist so viel Wahres in diesem Büchlein, es hat mich sehr gerührt. Ganz toll auch, dass wir uns so einig sind, sodass ich sehr gerne deine Rezi bei mir verlinkt habe! :-*
      GlG, monerl

  3. Moin, liebes monerl,

    ich freue mich riesig, dass die Legende hier noch einmal zum Leben erwacht. Bei mir ist das Lesen dieses wundervollen Buches fast genau zehn Jahre her. Und ich war genau so begeistert wie du.
    Ich hoffe, dass es noch einige Leser finden wird.

    Liebe Grüße, Anne

    1. Ja, liebe Anne! Deine Besprechung hat mich total begeistert und ich hatte das Glück, das Buch sofort gefunden zu haben. Und da es nicht sooo dick ist, habe ich es am Freitag Abend an einem Stück durchgelesen. Es war wirklich toll, die Geschichte nicht zerstückeln zu müssen, sondern den beiden alten Frauen von Anfang bis Ende folgen zu können! Ein wahrer Schatz, dieses Buch! Ich wünsche ihm auch noch viele Leser. Toll, dass es nun schon quasi 25 Jahre verlegt wird. 🙂
      GlG, monerl

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