Das Verschwinden des Josef Mengele
Historisch | Rezensionen

[BücherFIEBER] Das Verschwinden des Josef Mengele – OLIVIER GUEZ

13. Juni 2019

Buchvorstellung

1949 flüchtet Josef Mengele, der Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien, um dort ein neues Leben anzufangen. In Buenos Aires trifft er auf zahlreiche Unterstützer, unter ihnen Diktator Perón. Doch der Mossad und Nazi-Jäger Simon Wiesenthal heften sich an seine Fersen und er muss aufs Land fliehen. Zunehmend isoliert, rettet er sich von Versteck zu Versteck, bis er 1979 bei einem Badeunfall ums Leben kommt. Guez schildert Mengeles Flucht rasant und packend wie einen Thriller. Es ist das faszinierende Porträt eines überzeugten Täters und das erschüttende Abbild einer internationalen Gemeinschaft, die kläglich versagte.

 

Stichworte
 
historisch, biografischer Roman, Flucht, Josef Mengele, Argentinien, Verbrechen im 2. WK, Arzt von Auschwitz

 

Handlung 5 - Fokus auf der Flucht, spannend, gut recherchiert
Sprache & Stil 4 - manchmal salopp, kurze Kapitel, flüssig lesbar
Charaktere 4 - historische Person
Ende 5 - gut, über den Tod Mengeles hinaus wird berichtet
Hörbuch 5 - toller Sprecher, sehr empfehlenswert

 

Gesamtwertung

 

4,6 / 5

 

“Immer nach zwei oder drei Generationen, wenn das Gedächtnis verkümmert und die letzten Zeugen der vorherigen Massaker sterben, erlöscht die Vernunft, und die Menschen säen wieder das Böse.” (Zitat zum Ende des Hörbuchs)

 

Fazit:

Ein Buch, von dem ich lange dachte, dass es nichts für mich wäre. Zum einen beruht es auf wahren Tatsachen, die über Mängele, den “Todesengel von Auschwitz”, und doch war es nicht als Sachbuch geschrieben. Ich war nicht sicher, ob mir die Romanform zusagen würde. Am Ende traute ich mich doch und bin froh, das Format Hörbuch gewählt zu haben.

Der Autor schaffte es, eine wirklich spannede Geschichte über die Flucht des Josef Mengele zu schreiben. Während des Lesens bzw. Hörens folgt man den Stationen von Mengeles Aufenthalten und staunt, wie gut es geklappt hatte, dass er nie gefasst werden konnte. Dabei half ihm einerseits, dass Deutschland nach dem Krieg sich wiederfinden und neu erfinden musste und andererseits wird sehr deutlich, wie überfordert Deutschland mit seinen Nazis und der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen war.

Ich konnte kaum fassen, wie viele Helfer Mengele all die Jahrzehnte hatte, wie kühl seine Familie mit ihm und seinen Taten umging und wie lange er unter seinem echten Namen leben und Urlaub machen konnte.

Ein sehr lesenswertes Buch, das nie reißerisch wird. Der Autor schaffte es, dass man als Leser*in immer den Unmensch Mengele vor Augen hatte und kein Mitleid für ihn entwickeln konnte. Eine wahre Kunst, denn diese Art von Roman “bei den Zügeln” zu halten war sicherlich sehr schwer.

Als Hörbuch absolut zu empfehlen, da Burghart Klaußner einen wunderar in diese Fluchtgeschichte mitnimmt, sodass man kaum aufhören kann zu hören. Ich habe das Hörbuch tatsächlich an einem Tag ausgehört.

 

   Autor: Olivier Guez                                                                                                   #Werbung
   Originaltitel: La disparition de Josef Mengele
   Verlag: Aufbau / Der Audio Verlag / Audible
   Übersetzer: Nicola Denis (aus dem Französischen)
   Erscheinungsdatum: 31. August 2018
   Spieldauer: 6 Stunden 29 Minuten 
   Version: ungekürzt
   Preis: HB 7,95€ / HC 20,00€ / eBook 4,99€


Welche Fragen stellte ich mir für die Bewertung? Das Bewertungssysstem kann HIER nachgelesen werden.

Weitere Rezensionen


Weitere Recherche

Beitrag “Josef Mengele” in Wikipedia.

Bericht “Der Schädel des Bösen” aus Spiegel Online vom 05.04.2018.

Bericht “Ungeheuer in Menschengestalt” aus Spiegel Online vom 06.09.2013.

Bericht “50 Jahre Eichmann-Prozess” (Adolf Eichmann, Cheforganisator des Holocaust) aus Spiegel Online vom 11.04.2011.

Biografie Josef Mengele 1911 – 1979 aus LeMO – Lebendiges Museum online

Bildergallerie “Mengele & Co. – Ärzte im KZ Auschwitz aus Welt

Bericht Josef Mengele: Wie der Mossad den KZ-Arzt von Auschwitz jagte” aus Spiegel Online vom 11.09.2017.

Rezension zum Buch von Bettina Stangneth in Zeit Online vom 12.12.2018.

 

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  1. Hallo monerl,
    in nur einem Tag ausgehört – wow. Vielen Dank für diese Vorstellung, der Titel klingt sehr interessant. In Romanform hätte ich sicher nicht zu diesem Buch gegriffen, aber deine Rezension hat mich jetzt darauf aufmerksam gemacht.
    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Liebe Sandra,
      man merkt dem Buch an, dass es kein reiner Roman ist. Der Autor hat sehr viel recherchiert und das alles im Buch eingearbeitet. Dazwischen hat er sich die Freiheit genommen, einge Lücken selbst auszufüllen. Hin und wieder gibt es auch Gerede über Sex, was ich jetzt nicht unbedingt gebraucht hätte, aber ich konnte sehr gut darüber hinweghören. 😀
      Ich empfehle dir das Buch, wenn du mehr über Mengele wissen möchtest und dich aus anderer Perspektive nähern willst. Es liest sich spannend (obwohl man weiß, wie es endet) und flott. Ich konnte nicht davon ablassen. Der Hörbuchsprecher war echt toll!.
      Gib mir Bescheid, falls du es liest. Es würde mich sehr interessieren, wie du es letztendlich gefunden hast.
      GlG, monerl

  2. Hallo monerl,
    ich fand es nicht ganz so gelungen, das Mengele als Täter da stand. Manchmal wurde er mir im Buch etwas zu menschlich dargestellt, das machte mir zu schaffen.
    Aber es ist schön zu lesen, das dir das Hörbuch gut gefallen hat. Vielleicht hätte ich auch eher diese Form wählen sollen, denn das Buch konnte bei mir nicht ganz so gut abschneiden.
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Hallo Diana,
      ich glaube, ich verstehe was du meinst. Es ist halt leider so, dass Täter auch Menschen sind. Und leider ihre dunkle Seite sehr, sehr gut hinter der menschlichen Fassade verstecken. So war / empfand ich es auch bei Mengele. Er haderte schwer mit seinem Schicksal, ein so kluger Mensch zu sein und sich dann verstecken zu müssen und permanent auf der Flucht zu sein. Trotz seiner Intelligenz war er nicht in der Lage zu verstehen, was Menschlichkeit bedeutet. Er hatte überhaupt keine Empathie, da er so viele Kinder, Frauen, Alte, Kranke… einfach auslöschen ließ oder sie folterte.
      Den Vorteil im Hörbuch sehe ich bei diesem Buch tatsächlich, dass man sich nur darauf konzentrieren muss zuzuhören und das alles auf sich wirken zu lassen. Dabei erkannte ich, wie gut es dem Autor gelungen war, mich als Hörerin immer wieder dahingehend zurückzuholen und mir vor Augen zu bringen, dass Mengele ein Monster war. Machnal ganz offen und manchmal subtil. Aber ich habe nie vergessen, wer “Gregor” war auch wenn ich manchmal dabei war. Und das nenne ich hohe Schreibkunst. Ich denke, das wäre nicht jedem Autor so gelungen. Denn Mitleid hatte ich mit Gregor / Mengele nie.
      Vielleicht versuchst du es nochmal mit dem Hörbuch. Einfach um zu sehen, ob du den Täter anders wahrnehmen würdest.
      GlG, monerl

  3. Hallo monerl,
    Deutschland scheint sich damals nicht gerade überschlagen zu haben, seine Verbrecher dingfest zu machen.
    Meine frühere Chefin hat mal gemeint, dass die Rechtsextremen Deutschland nicht so beunruhigt hatten, weil man das gewohnt war. Aber die Linksextremen – oder die Linken generell -, die wurden als Bedrohung angesehen; das war neu, das war unerhöhrt.
    Könnte was dran sein, gell?
    Ich bin gespannt auf das Hörbuch. Im Urlaub hab ich allerdins Hörbuchpause; ich hör ja immer beim Pendeln 😀
    LG
    Dani

    1. Hey Daniela,
      dann bin ich mal gespannt, was du nach dem Urlaub sagen wirst.
      Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass man es gewohnt war. Mag sein. Im Buch geht aber deutlich hervor, wie ohnmächtig Politiker waren. Ihr Fokus war auf den Wiederaufbau von Deutschland fixiert. Dabei hat man sich einfach weniger Gedanken gemacht, dass und dass sogar sehr viele der Täter von damals einfach in der Masse untergetaucht waren und sich still verhalten hatten. Aus heutiger Sicht absolut widerlich! Und noch immer weilen manche dieser Täter unter uns. Ich finde, keine von denen ist zu alt, um dafür bestraft zu wrden. Die heute 80 – 90jährigen haben somit viele schöne und ruhige Jahre gehabt. Mich schmerzt es nicht, sie in dem Alter noch verurteilt und im Gefängnis zu sehen. Eher umgekehrt.
      Wünsch dir noch nen tollen Urlaub!
      GlG, monerl

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