Das Volk der Bäume
Rezensionen | Roman / Gegenwartsliteratur / Liebe / Romantik / Chick-Lit

[BücherFIEBER] Das Volk der Bäume – HANYA YANAGIHARA

20. März 2019

Buchvorstellung

Ein geradezu durchtrieben gut komponierter Roman von Hanya Yanagihara

Was als packende Expedition in der Dschungelwelt Mikronesiens beginnt, wird zur Begegnung mit den Abgründen des Menschlichen. In ihrem Roman erkundet Hanya Yanagihara, wie Neugier in Gier umschlägt – nach Ruhm, nach Liebe – und wie weit wir dafür zu gehen bereit sind. Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu’ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel.

Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt? Das ist die Frage in diesem brillant geschriebenen, gefährlichen Dschungel von einem Roman.

 

Stichworte
 
Gegenwartsroman, Mikronesien, Forschung, anthropologisch, Tierquälerei, Pädophilie, Kindesmissbrauch, Fiktionalisierung der Geschichte des Nobelpreisträger Daniel Carleton Gajdusek (siehe “Weitere Recherche”)
 

 

Handlung 4 - interessant, benötigt etwas zu lange im Aufbau, um die Story darzustellen
Sprache & Stil 3 - manchmal zu ruhiger aber dennoch ein ausgeklügelter Aufbau, angenehm les-/hörbar, Missbrauch zu detailliert
Charaktere 5 - interessant dargestellt, tiefgründig, nachvollziebar
Ende 4 - mit unerwarteter Wendung, inhaltlich erdrückend
Hörbuch 5 - tolle Sprecher, absolut empfehlenswert

 

Gesamtwertung

 

4,2 / 5

 

Fazit:

Ein Buch, für das man zuallererst eine Triggerwarung bzgl. Kindesmissbrauch aussprechen muss!

Die Autorin ist durch ihren Roman “Ein wenig Leben” bekannt geworden. Nach ihrem eigentlichen Debüt “Das Volk der Bäume” ist klar, dass Hanya Yanagihara ein Fable für außergwöhnliche und unbequeme Themen hat. Ihre Bücher fallen inhaltlich auf und werden nicht so leicht vergessen.

Auch dieses Mal gelingt ihr ein sehr interessanter Roman, in dem sie einen Forscher und Nobelpreisträger aus dem Gefängnis heraus über sein Leben erzählen lässt. Durch Briefe, die eine Art Autobiografie sein sollen, verfolgt der*die Leser*in, wie es dazu kommen konnte, dass Dr. Norton Perina im Gefängnis landet und ob die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs der Wahrheit entsprechen.

Yanagihara erzählt sprachgewaltig und intensiv! Sie nimmt uns mit in den Dschungel und zu einem interessantem Volk, das durch Perina seinen Untergang erfährt. Die Mischung zwischen Neugier, Wissensdurst und (beruflichem) Erfolg und Egoismus ist grandios dargestellt!

Der Schluss hat es in sich und zeigt den Protagonisten von einer anderen Seite, die er selber so gar nicht wahrnimmt. Das war für mich das Erschreckendste und zeigt deutlich, wie die Wahrnehmung von Betroffenen deutlich von ihrer Umgebung abweicht!

Als Hörbuch wunderbar vielstimmig umgesetzt!

 

   Autor: Hanya Yanagihara                                                                                                   #Werbung
   Originaltitel: The People In the Trees
   Verlag: Hanser Berlin / HörbucHHamburg / BookBeat / Audible
   Übersetzer: Stephan Kleiner (aus dem Amerikanischen)
   Erscheinungsdatum: 28. Januar 2019
   Spieldauer / Seiten: 17 Stunden 57 Minuten / 480 S.
   Version: ungekürzt
   Preis: HB 18,39€ / HC 25,00€ / eBook 18,99€ / im BookBeat-Abo enthalten


Welche Fragen stellte ich mir für die Bewertung? Das Bewertungssysstem kann HIER nachgelesen werden.

Weitere Rezensionen

Weitere Recherche

– Beitrag über Nobelpreisträger Daniel Carleton Gajdusek aus Wikipedia

– Bericht “Verhältnisse und Vergängnisse” zu Daniel Carleton Gajdusek aus dem SPIEGEL vom 13.05.1996

 

Vielleicht gefällt dir auch

Loading Likes...

Only registered users can comment.

  1. Liebe Monerl,

    das hört sich gut und heftig an. Über das Buch müssen wir uns mal unterhalten. Ich habe zum Ende direkt eine Idee. :[
    Das mit der Triggerwarnung finde ich sehr gut!!

    Herzliche
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      wir haben vergessen über das Buch zu sprechen! 🙁 Du musst mir doch noch deine Idee zum Ende verraten!
      GlG, monerl

  2. Hallo again,
    tja, nun ist auch das zweite Buch auf meiner WL gelandet. Ich seh schon, das mit uns beiden wird kein gutes Ende nehmen..zumindst nicht für mich XD

    Dieses Buch klingt interessant, schockierend und erschütternd, aber definitiv interessant und genau aufgrund dieser Kombination gelangt es auf meine WL… und weil Du mich verdammt neugierig darauf gemacht hast.
    Vielen Dank für diese ehrliche Rezension.

    LG Conny

    1. Hey Conny,
      das ist ganz toll, dass ich dich mit meiner Rezi anfixen konnte! hahaha Insgesamt ist es ein ruhiges Buch. Die Kraft liegt im Inhalt! Bin gespannt, ob du irgendwann dazu kommen wirst, es zu lesen!
      GlG, monerl

  3. Liebe Monerl,
    eine sehr gute Rezension, du bringst alles sehr gut auf den Punkt. Das stimmt, Hanya Yanagihara erzählt sprachgewaltig und sehr intensiv, was mir sehr gut gefallen hat.
    Das mit der Triggerwarnug wäre eine gute Idee, denn der Inhalt ist nicht ohne. Besonders der Schluss hat mich fassungslos zurück gelassen.
    Mein Favorit bleibt aber “Ein wenig Leben”, das Buch bleibt unvergesslich.
    Vielen lieben Dank fürs verlinken, ich habe dich ebenfalls in meiner Rezension verlinkt. 🙂
    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Liebe Nicole,
      danke für deinen Gegenverlinkung! 🙂
      Ich weiß noch, wie geschockt ich zum Ende hin war. Zu Beginn erzählt Perina von den Anschuldigungen, die gegen ihn vorgelegt wurden und weswegen er im Gefängnis ist und warum er verurteilt wurde. Dann dachte ich, ok, lass mal hören… Ich ließ mich einlullen von der wunderbaren Erzählung und den traurigen wie auch verstörenden Tatsachen, die zum Untergang der Ivu’Ivu-aner geführt haben. Ich fand es schrecklich aber noch konnte ich das irgendwie annehmen. Als ich dachte, das Buch ist zu Ende, kam der Hammer, der mich das Ende dreimal hat hören lassen. Ich dachte immer noch, ich hätte was falsch verstanden! Hab lange daran gehadert und gedacht, es sollte eine Triggerwarnung geben.

      “Ein wenig Leben” fand ich auch besser. Hab ich letztes Jahr gehört und leider dann keine Zeit mehr für eine Rezi gehabt. Möchte ich aber unbedingt noch nachholen.
      GlG, monerl

        1. Ach ja, ich vergaß! Die Autorin beschreibt die Insel mit ihrem Bewuchs sehr detailliert und intensiv. Das ist definitiv was für dich! 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu