MonerlS Buch-Geplauder
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[Geplauder] Warum Hörbuch hören auch lesen ist!

12. September 2019

#2

Herzlich Willkommen zu MonerlS Buchgeplauder! Heute gibt es schon den nächsten Beitrag aus der Reihe “unregelmäßige Gesprächsrunde”, in der ich Themen oder Fragen, die mich beschäftigen, auf den Grund gehen möchte.

Heute geht es um Hörbücher und warum Hörbücher hören auch lesen ist

 

Wieso ist hören auch lesen?

Wer ein kleines Weilchen Teil der “Buch-Community” ist, merkt irgendwann, dass Bücher lesen und Bücher hören von vielen Leser*innen nicht als das Gleiche angesehen wird. Man kennt das schon, die Befindlichkeiten, wenn es um eBooks und Printbücher geht. Die meisten verteufeln bis heute noch die elektronische Version des Textes. Wollen keine Vorteile anerkennen und wehren sich gegen das Medium. Geht es aber einen Schritt weiter zum Medium Hörbuch, sind heftige Diskussionen schon fast vorprogrammiert.

Ich habe das Gefühl, dass es sich etwas gebessert hat, doch vor einigen Jahren wurden Hörbücher z.B. bei Challenges strickt abgelehnt. In den Regeln stand explizit, dass Hörbücher ausgeschlossen sind.

Warum ist das so? Was spricht dagegen ein Buch, einen Text mit vollkommen identischem Inhalt selbt zu hören anstatt ihn selbst zu lesen?

Wocher kommen diese Befindlichkeiten, dass die Meinung lautstark vertreten wird, dass sich jemand, der ein Buch hört, sich dadurch einen Vorteil gegenüber denjenigen verschaffen würde, die ausschließlich lesen?

Jede*r liest nach eigenem Tempo und  nach den eigenen Möglichkeiten. Es gibt Schnellleser*innen, Querleser*innen, von-morgens-bis-abends-Leser*innen, Freizeitleser*innen usw.

So gibt es auch Leser*innen, die Hörbücher:
– lieben,
– aus zeitlichen Gründen bevorzugen,
– als Ausgleich hören und sich dabei am besten entspannen können,
– aus dem Grund hören, weil sie dadurch ein intensiveres Kopfkino erleben,
– aus Begeisterung hören, da sie die Sprecher und ihre Interpretation der Geschichte so wahnsinnig toll finden,
– aus gesundheitlichen Gründen bevorzugen, weil die Augen nicht (mehr) mitmachen.

Woher kommt also der Neid auf Leser*innen, die Bücher hören?

Lange habe ich mich damit beschäftigt und mir Gedanken darüber gemacht und ich finde tatsächlich nur diesen einen Grund, nämlich Neid, warum manche strickt gegen das Hören von Büchern sind.

Es wird immer mal wieder aufgeführt, dass wenn Bücher gehört werden, nebenher noch so viel erledigt werden kann, sodass Hörende zu sehr abgelenkt sind und sich dabei das Buch nicht richtig “erarbeiten”. Als wenn nur das selbständige Lesen am Ende einen Schulterklapps verdient hätte, so nach dem Motto: “Gut gemacht, du hast es geschafft!”.

–> Nicht jede*r Leser*in liest ein Buch abends vorm Schlafengehen. Auch Leser*innen sind unterschiedlich. Es gibt Berufstätige, Studenten, Arbeitslose, Rentner, Kranke, Schüler und jede*r vor ihnen hat unterschiedlich Zeit und Lust zum Lesen.
–> Manche Leser*innen hören Musik beim Lesen, lesen beim Frühstück, während der Bahnfahrt, im Wartezimmer, in der Mittagspause, beim Spazierengehen (ja, das gibt es tatsächlich auch!). Natürlich kann das nicht jede* aber viele lesen immer und überall.
–> So unterschiedlich ist es auch bei den Hörer*innen. Manche hören nur abends, andere immer und überall.

Auch bekomme ich oft den Vorwurf zu hören, dass Hörbücher oft in einer schneller eingestellten Wiedergabegeschwindigkeit gehört werden, sodass das Buch schneller ausgehört als ausgelesen ist.

–> Ja, ich mache das auch, denn auch Sprecher*innen lesen unterschiedlich schnell einen Text ein. Manche sind mir viel zu langsam und ich habe das Gefühl, dass sich das Ganze zieht.
–> Hört man viel und oft, gewöhnen sich das Ohr und das Gehirn auf dieses Medium und man ist in der Lage schnell(er) Gesprochenes sehr gut aufzunehmen und zu verstehen.
–> Und auch hier muss festgestellt werden, dass jede*r unterschiedliche Fähigkeiten hat zu lesen. Manch eine*r schafft in einer Stunde 50 Seiten,  manch andere*r 70 bis 100 Seiten. Das wird doch auch akzeptiert, warum also nicht, wenn jemand hört anstatt zu lesen?
–> Zudem ist es ja so, dass geübte Vielleser*innen ein Buch schneller auslesen, als Hörbücher in der Regel ausgehört werden können. Ich habe mehrfach schon den Selbsttest gemacht! Ich lese ein Buch immer schneller, als wenn ich das Buch höre, auch wenn ich es in doppelter Geschwindigkeit höre. Oft habe ich das Hörbuch gehört und nebenher im Buch mitgelesen. Und ich ertappe mich immer wieder, dass ich schneller lesen möchte als die Stimme im Ohr vorliest.

Mein Fazit ist also, dass Leser*innen, die ausschließlich ein Buch lesen, auf Buch-Hörer nicht neidisch sein müssen! So unterschiedlich wir alle sind, so unterschiedlich sind auch unsere Lese- und Hörmöglichkeiten wie auch -vorlieben!

 

Meine Wünsche:

Deshalb wünsche ich mir, dass dieses “verteufeln” von Bücher hören endlich ein Ende findet! Ich wünsche mir mehr Akzeptanz untereinander! Seien wir dankbar, dass es so viele Arten von Medien gibt, die uns Bücher näher bringen und genießen lassen.

Ich wünsche mir, dass die Diskussionen bei Challenges aufhören, in denen es darum geht, warum auch ungekürzte Hörbücher nicht gezählt werden. Wenn der Textumfang der gleiche ist, wie es in einem ungekürzten Hörbuch der Fall ist, sehe ich nun wirklich keinen Grund mehr, warum Teilnehmer*innen, die aus ihren persönlichen Gründen nur oder viele Hörbücher hören, nicht teilnehmen dürften.

 

Wie steht ihr das? Seid ihr auch Gegner*innen von Hörbüchern? Findet ihr auch, das Hören kein Lesen ist oder könnt ihr meiner Argumentation folgen und mir beipflichten?

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  1. Hi monerl,
    ich hab definitiv länger gebraucht, um mich mit Hörbüchern “anzufreunden”. Gerade weil der Sehsinn “frei” ist, und der nun mal sehr dominant ist, und man auch frei ist, im Raum rumzulaufen, darum sind auch die Gedanken in Gefahr, abzuschweifen. Ich denke, die allermeisten machen nebenher noch etwas: Bügeln, Putzen, Autofahren, Joggen, whatever. Für mich erfordern Hörbücher definitiv mehr Konzentration, die ich erstmal “erlernen” musste.
    Dennoch: Die Geschichte ist haargenau die gleiche, egal, ob ich sie jetzt mit den Augen, den Ohren oder den Fingern (Braille) erfasse.
    Aber ich frage mich schon lange, wie die neuronale Verarbeitung aussieht. Gibt es einen Unterschied, wie das Gehirn die Geschichten verarbeitet, in Abhängigkeit davon, durch welchen Kanal sie kommen? Und ändert sich das mit der Zeit, wenn jemand ein geübter Leser, Braille-Leser oder Hörbuchleser ist? Welche neuronalen Unterschiede gibt es? Diese Fragen würden mich stark interessieren.
    Gerade auch, wenn du schreibst, dass sich dein Gehirn so angepaßt hat, dass du Hörbücher schneller verarbeiten kannst. Das hört sich doch so an, als würden da ähnliche Lernprozesse ablaufen wie beim Lesen lernen. Ich kenne das von einer blinden Freundin, die sich ihre Sprachausgabe so schnell eingestellt hat, dass ich da rein gar nichts verstehe. Und ich kenne das von mir vom Lesen, ich bin ein ausgesprochener Schnellleser. Und dennoch setzt sich die Geschichte dann in meinem Kopf zusammen.
    Sehr faszinierend, das alles. Ich hoffe, dass es mal Studien dazu gibt.
    LG
    Daniela

  2. Hallo Monerl,
    ich muss zugeben, dass ich langsam ans Hörbuch hören rangekommen bin. Zunächst konnte ich auch nicht so viel damit anfangen, aber so nach und nach habe ich die Vorteile von Hörbüchern erkannt und jetzt lese und höre ich regelmäßig. Es gibt einfach Bücher die ich lieber hören mag als lesen und vor allem wenn es ein Hörspiel ist mag ich das besonders. 🙂
    Auch bei den eBooks ist mir das so ähnlich gegangen.
    Aber ich muss sagen, auch wenn ich die verschiedenen Formate nutze, ist mir das liebste immer noch das Printbuch. 😀
    Einen schönen Beitrag zum Nachdenken hast du da geschrieben.
    Liebe Grüße
    Diana

  3. Hallo Monerl,

    ein spannendes Thema! Ich habe im Umfeld bisher keine abfälligen Meinungen zum Hörbuch mitbekommen, zum Glück. Ich mag sie nach einigen Anfangsschwierigkeiten nämlich sehr gern.
    Auf langen Autofahrten, beim Wegbügeln von gigantischen Wäschebergen oder wenn ich mit Öffentlichen unterwegs bin, helfen mir Hörbücher dabei, die Zeit nicht als komplett verschwendet anzusehen.
    Ich kann mich dabei sehr gut auf die Hörbücher konzentrieren und bekomme genauso viel mit wie beim Selbst-lesen. Es hat ein bisschen Übung erfordert, aber inzwischen funktioniert das gut. Und notfalls kann man ja auch mal ein bisschen zurückspringen, wie beim Print-Buch auch, wenn man merkt, dass man einen Moment unkonzentriert war.
    Wenn es möglich ist, bevorzuge ich ungekürzte Hörbücher, weil beim Kürzen für meinen Geschmack viel zu viel wegfällt. Und weil – genau wie bei Dir – das Vorlesen viel langsamer ist als mein Selbstlese-Tempo, regele ich die Geschwindigkeit ein bisschen hoch, meistens auf 1,5fache Geschwindigkeit. Dann brauche ich für die Hörbücher immer noch länger als für den Print, ich erspare mir damit also keine Zeit, aber so finde ich das Tempo am angenehmsten. Und darauf kommt es mir an – den Genuss!
    Dass mir vorgelesen wird, ist für mich Vorteil und Nachteil in einem. Denn der Sprecher bzw. die Sprecherin fügen von sich immer etwas zur Story dazu, durch Betonung, Modulation der Stimme, und wie sie generell lesen. Das schränkt mein Kopfkino ein bisschen ein, bietet aber auch neue Anregungen und Auslegungen. Unterm Strich finde ich das weder gut noch schlecht, nur eben anders, als wenn ich selbst lese und eine Bereicherung.
    Beim Vergleich von Print, eBook und ungekürztem Hörbuch stehen alle drei gleichwertig nebeneinander. Es wird der identische Inhalt vermittelt, eben nur durch unterschiedliche Medien. Und da sollte jede/r frei wählen, was am besten gefällt.

    LG Gabi

  4. Huhu meine Feine!

    Ich habe immer mal wieder vernommen, dass Hörbücher und auch ebooks nicht den gleichen Stellenwert wie ein Print haben. Um es mal im Extremen zu äußern, nach dem Motto: nur ein Bücherregal macht aus einer Wohnung ein Zuhause. Ich musste mir das noch nicht anhören und habe dafür auch kein Verständnis, warum ist ein Hörbuch oder ein ebook weniger wert? Ich liebe es im Urlaub auf mein Tab zurückgreifen zu können und nicht Kiloweise Bücher schleppen zu müssen. Ich liebe es neben den Pflichten wie Putzen mich von wundervollen Sprecher*innen einnehmen zu lassen.

    Es sind und bleiben die selben Geschichten (wenn es nicht gerade die gekürzte Hörbuchfassung ist), nur eben in unterschiedlichen Formaten! Deswegen verstehe ich auch nicht, das oft Comics oder Graphic Novels bei Challenges nicht zählen – aber zu mindestens finden sie immer mehr Raum in der Buchcommunity. Und warum auch nicht? Warum muss da so viel diskutiert oder klein geredet werden? Und wenn ich ganz provokant wäre, würde ich fragen, ob diese Leser*innen keine anderen Probleme hätten …

    Wünsche dir ein mukkeliges Wochenende :-*

  5. Hallo Monerl,
    Ehrlich gesagt ist mir dieser Neid neu. Und auch total schnuppe.
    Mir haben Hörbücher eine neue Welt eröffnet. Falsch, eine alte wieder gezeigt. Denn schon als Kind hatte ich total viele Hörspiele. Ich konnte sie mitsprechen, sooft habe ich sie gehört.
    Es gibt auch Werke, die ich nur vorgelesen gut finde. Denn es kommt die Ebene der Stimme, die Interpretation durch den Sprecher noch dazu. Manchmal ist das so gut, dass der Inhalt mir gar nicht mehr wichtig ist. Dafür gibt es andere Bücher die ich selbst lesen muss um sie erfassen zu können.
    Beide Welten möchte ich nicht missen, das ist auch wieder falsch, denn es ist eine Literaturwelt, die Vielfalt wird durch die verschiedenen Möglichkeiten erhöht.
    Viele liebe Grüße
    Silvia

  6. Hi Monerl!
    Ich finde deinen Blogpost toll! Auch wenn es mir selbst noch nicht wirklich passiert ist, dass Hörbücher abgelehnt wurden, so habe ich es doch schon mehrfach gehört. Auch bei englischen Youtubern findet man immer wieder mal ein Video oder zumindest eine Bemerkung, warum für sie Hörbücher trotzdem zu den gelesenen Büchern gezählt werden.

    Natürlich zähle auch ich meine gehörten Büchern zu den monatlichen Büchern dazu. Man hat mindestens genausoviel Zeit, wenn nicht sogar mehr, mit dem Buch verbracht. Hat genauso mit den Protagonisten mitgefiebert, gelitten, sich mit ihnen gefreut. Ja, klar, man kann nebenbei auch etwas tun, aber gerade das ist ja das tolle an Hörbüchern. Es sind doch meistens sowieso nur Tätigkeiten, bei denen man nicht viel denken braucht, sonst würde man ja auch beim Inhalt nicht mitkommen.

    Mir gefällt dein Plädoyer für das Hörbuch!

    Liebe Grüße,
    Caro

  7. Huhu liebe monerl,

    also erstmal vorweg ich habe bei mir selbst festgestellt, dass ich deutlich schneller lese als ich für ein ungekürztes Hörbuch brauche also das Argument das Hörbuch wäre eben mal schneller durchgerauscht kann ich nicht bestätigen.

    Ich habe aber völlig unverständlicherweise schon öfter gelesen dass Leute sich das auf 3fache Geschwindigkeit stellen um schnell durchzusein. Muss ich das verstehen??? Es ist doch gerade wenns einem gefällt SCHADE dass es vorbei ist. Da möchte ich solange wie möglich damit verbringen.

    Ich höre selbst gerne mal ein Hörbuch. Aktuell eher weniger weil ich dabei immer etwas machen muss (nur sitzen und hören ist mir zu langweilig) und aufgrund meiner ganzen Schmerzproblemen kann ich nicht viel nebenher machen, deshalb lese ich lieber. Aber in der Vergangenheit habe ich oft zum Hörbuch gegriffen und finde es überhaupt nicht verwerflich oder schlimm. Bei den Challenges ist es mir allerdings auch aufgefallen, dass HB verteufelt werden. 🙁

    Jeder soll lesen, hören oder schauen was er mag! Ich veruteile niemanden für nix davon. Und ich würde mir wünschen, dass jeder damit so offen umgeht!

    Leben und Leben lassen.

    LIebe Grüße vom Nordlicht

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